Zwei, die für die Landeskirche guten Kontakt zu den Studierenden suchen

Maike Westhelle (Marburg) und Florian Schmitz (Kassel) knüpfen neue Verbindungen

Maike Westhelle weiß, was guten Religionsunterricht ausmacht. Ohne diesen – und die Jugendarbeit des CVJM in Kassel – wäre sie nie Pfarrerin geworden. Nun ist sie im Studienhaus der Landeskirche in Marburg für den Kontakt zu den Studierenden der Theologie und Religionspädagogik zuständig. Die Studierenden sollen durch die Angebote des Hauses Kompetenzen erwerben können, die im Studium zu kurz kämen oder gar keine Rolle spielten. Drei Bereiche nennt Westhelle:  

  • Kommunikation: Wie bringt man das rüber, was man zu sagen hat? Es gibt zum Beispiel Workshops zur Spielpädagogik, aber auch Veranstaltungen zur Frage, wie man in der Grundschule etwa Muslimen oder Zeugen Jehovas begegnet. 
  • Hermeneutik: Was haben uns die alten Texte der Bibel heute zu sagen? Es geht um die Auslegung und darum, einen eigenen Standpunkt zu finden. Wichtig sei aber auch, ganz andere Auslegungen zu akzeptieren: „Das ist für die jüngeren Studierenden oft eine Herausforderung.“
  • Spiritualität: Wie sieht mein eigener Glaube aus, und wie lebe ich ihn? Westhelle plant Werkstatt-Gottesdienste, die von Studierenden vorbereitet und gefeiert werden. Religionslehrer würden häufiger als früher gebeten, Gottesdienste zu halten, etwa zur Einschulung oder bei Trauerfällen in der Schule. Eine wichtige Frage dabei sei: Wie bete ich, wenn ich öffentlich bete? 

Das Angebot des Studienhauses ist nicht Teil des Studiums, sondern der Freizeit. „Wir konkurrieren mit Fußball, Badminton und Pilates, aber auch mit anderen religiösen Anbietern“, sagt Westhelle.

Doch es spreche sich auch herum, wenn das Studienhaus passgenaue Angebote für den Beruf  macht. Dabei hat sie besonders auch die zukünftigen Lehrer im Auge, wohl aus eigener Erfahrung. Sie seien das Tor der Kirche zur Gesellschaft: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Reli-Lehrer die Zukunft sind.“

Florian Schmitz würde dem zweifellos zustimmen. Vielfach kämen Jugendliche nur noch in der Schule mit religiösen Inhalten in Berührung, sagt der 36-Jährige. Schmitz ist selbst Religionslehrer und seit Anfang Februar 2017 mit einer halben Stelle „Studienleiter für die kirchliche Theologiestudierendenförderung und -begleitung“. Hinter dem sperrigen Titel steckt eine ähnliche Aufgabe wie die von Pfarrerin Westhelle in Marburg. Schmitz’ Stelle wurde auf Beschluss der Landessynode in Kassel neu geschaffen. Er wolle bei den Studierenden den Blick dafür schärfen, auch Vertreter der Kirchen zu sein, sagt Schmitz. Dafür will er Angebote machen, oft in Kooperation mit der Evangelischen Studierendengemeinde in Kassel.

Wichtig sei die Grundfrage: Wer bin ich als Relilehrer? Die eigene Identität sei entscheidend, sagt Schmitz, denn es gehe nicht nur um Wissen, sondern auch um eine Position: „Relilehrer werden nicht darum herumkommen, sich mit dem zu zeigen, von dem sie überzeugt sind.“ Die Frage der eigenen Spiritualität habe an der Universität kaum Raum, sagt Schmitz.

Thematisieren will er auch einen Konflikt, den Florian Schmitz erst erkannt hat, als er schon Religionslehrer war. Zum einen entstünden zu Schülern in diesem Fach oft besonders persönliche Beziehungen, gerade durch seelsorgerliche Themen. Zum anderen habe er der Lehrer aber die Rolle desjenigen, der den Schüler bewerten müsse. Auch da geht es um die Lehreridentität: „Wie finde ich meine Rolle?“

Olaf Dellit

Erstveröffentlichung: „blick in die kirche“ 2/2017, S. 12